Klare Botschaften: „Nur so werden aus Azubis Profis“

Klare Botschaften
© We Are/Getty Images
Sprechen oder kommunizieren – das ist hier die Frage. Aber wo hört das eine auf und fängt das andere an? Und warum ist das Thema auch für Ausbilder relevant? Redekunst-Experte Michael Ehlers verrät, was Rhetorik leisten kann.
Carolin Cremer-Kruff
Carolin Cremer-Kruff
Textconsultant

Warum ist Rhetorik so wichtig?

Es war schon immer so: Die Menschen, die sich ausdrücken können, setzen sich am Ende des Tages durch. Was mir allerdings immer wieder auffällt: Viele hervorragende Fachkräfte, die wirklich etwas können, sind sehr introvertiert! Wenn solche Menschen in einem Meeting Profikommunikatoren gegenübersitzen, dann sehen sie blass aus. Als Trainer lautet meine Mission daher: Ich möchte echtem Wissen und echtem Können eine Stimme geben.

Dabei ist noch kein Rhetorikprofi vom Himmel gefallen?

Nein. Jeder kann rhetorische Fähigkeiten erlernen. Im Grunde genommen ist Rhetorik sogar eine relativ einfach zu erlernende Kunst. Dennoch muss man auch hier ein paar Grundregeln beherzigen. Wenn das Handwerk erst einmal beherrscht wird, dann kommt die Persönlichkeit hinzu und wird sichtbar. So wie in der Musik: Van Halen oder Santana erkenne ich im Radio meist schon am ersten Ton. Der einfachste Schritt, sich mit seiner eigenen Wirkung auseinanderzusetzen: Man schnappt sich ein Telefon oder eine Kamera und nimmt sich auf. Danach sollte man sich fragen: Ist das eigentlich gut? Bin das ich? Ist das der, der ich sein möchte?

Michael Ehlers, Kommunikations- und Managementtrainer mit Sitz in Bamberg, trainiert seit mehr als zwei Jahrzehnten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wie Top-Manager und Profi-Sportler in Rhetorik, Stil und Auftreten. © Michael Ehlers GmbH

Was verstehen Sie überhaupt unter Rhetorik?

Der Begriff kommt in der Öffentlichkeit leider nicht immer so gut weg. Insbesondere dann, wenn die Rede von „rhetorischen Tricks“ ist. Aber eigentlich bedeutet Rhetorik etwas sehr Schönes: Die „Kunst der Rede“. Punkt. Und das hat viel damit zu tun, wie ich auf andere Menschen wirke. Es gibt Menschen, die sprechen, und es gibt Menschen, die kommunizieren. Und das bekommt man in einem Gespräch sehr schnell heraus. Dazu gehört auch die Kunst des Verstehens. Ich kann nur gut reden, wenn ich gut zuhören kann und ich den anderen verstehe.

Hat Rhetorik auch viel mit der eigenen Persönlichkeit zu tun?

Ja, Rhetorik ist Persönlichkeitsbildung pur! Das erleben alle Teilnehmenden von Rhetorikseminaren – insbesondere, wenn sie sich das erste Mal vor eine Kamera oder in einen virtuellen Saal stellen. Man wird aufgezeichnet und muss sich mit seiner eigenen Wirkung auseinandersetzen. Viele Menschen, darunter auch immer wieder gestandene Manger, sehen sich in meinen Seminaren das erste Mal oder nach langer Zeit wieder bewusst von außen. Ich kann verraten: Einige sind dann wirklich erschrocken.

Warum sollten auch Ausbilder ihre rhetorischen Fähigkeiten schärfen?

Lehrende müssen sich ständig mit der eigenen Persönlichkeit auseinandersetzen und in aller Deutlichkeit die Frage beantworten: Wer bin ich? Authentizität ist dabei das Schlüsselwort. Es reicht nicht allein aus, Freude daran zu haben, Wissen weiterzugeben. Ausbilder müssen klar sein, genau wissen, was sie wollen, sehr gut kommunizieren können. Sie müssen eine sehr hohe Verbindlichkeit zu ihren Azubis aufbauen und Begeisterung wecken können. Wie ein Sporttrainer, der das Beste aus seiner Mannschaft herauskitzeln will. Nur so werden am Ende aus Azubis Profis.

Die digitale Welt wird immer wichtiger. Spielt Rhetorik dort überhaupt noch eine Rolle?

Oh ja! Wenn auch eine ganz andere. Im Audio-Bereich kennen wir uns schon gut aus. Jetzt sind wir auf einmal alle in Teams- oder Zoom-Meetings unterwegs und sehen uns mit einer Kamera konfrontiert. Das Problem: Diese nimmt uns 80 Prozent unserer Wägung. Für mich bedeutet das: Ich muss Gas geben, aber richtig! Ich muss rund 20 bis 40 Prozent mehr machen: deutlicher, langsamer und akzentuierter sprechen, mehr modulieren. Ich muss mit meiner Gestik ausladender sein, weil die Kamera einfach viel wegnimmt. Nur so kommt die Dynamik, die ich im Raum entwickle, auch über die Kamera bei meinem Gegenüber an. Und nur so kann ich auch in der digitalen Welt überzeugen!

Es fragte: Carolin Cremer-Kruff

Fünf Tipps für Ausbilder

  • Die Macht der non-verbalen Kommunikation: Lernen Sie Ihre Körpersprache, Mimik, Gestik und Ihren Blickkontakt gezielt einzusetzen. Verschränkte Arme oder ein abschweifender Blick wirken nicht sehr wertschätzend. Versuchen Sie eine offene Haltung und einen klaren Augenkontakt zu haben.
  • Kurze, klare und gehaltvolle Sätze. Bringen Sie Informationen auf den Punkt und vermitteln Sie diese überzeugend. Passen Sie Ihre Ausdrucksfähigkeit und die Wortwahl Ihren Azubis an. Durch Prägnanz und Verständlichkeit schaffen Sie Klarheit für Ihre Azubis.
  • Feedbackgespräche sind sehr wichtig. Sie sollten immer konstruktiv sein und Verhaltensweisen ansprechen, die der Azubi verbessern kann. Beziehen Sie sich dabei immer auf konkrete Beobachtungen, die für Ihren Azubi nachvollziehbar sind. Versuchen Sie vor dem Gespräch drei konkrete Punkte zu formulieren, an denen Ihr Azubi aktiv und leicht arbeiten kann.
  • Verwenden Sie anstelle von Du-Botschaften lieber Ich-Botschaften. So können Konflikte vermieden und entschärft werden. Mit Du-Botschaften bringen Sie Ihren Azubi schnell in die Defensive, da sich diese Botschaft oft wie ein Vorwurf anhört. Sagen Sie anstatt „Du kommst immer zu spät.“ lieber „Mir ist es wichtig, pünktlich anzufangen.“. Damit argumentieren Sie mit Ihrem eigenen Bedürfnis.
  • Ihr Azubi ist unmotiviert? Beobachten Sie ihn genau und hören Sie ihm gut zu. Liegt es an Überforderung oder an „langweiligen“ Routineaufgaben. Erklären Sie immer den Sinn und Zweck einer Aufgabe und sorgen Sie für regelmäßige Erfolgserlebnisse. Versuchen Sie zudem, durch Lob für gut ausgeführte Arbeiten und durch ein Angebot zur Unterstützung bei Problemen, die Wertschätzung und Motivation zu steigern.

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