Ausbilder als Vorbilder

Ausbilder als Vorbilder
Lässt auch mal Fehler seiner Azubis zu: Tony Beran, hier im Gespräch mit Auszubildenden. Der Ausbilder engagiert sich vielfältig auch nach seiner Arbeit – in mehreren Vereinen © Michael Reichel
Gute Ausbilder wissen nicht nur, was sie tun. Sie wissen auch, wie sie ihr Wissen jungen Menschen vermitteln können. Und sie sind nicht nur im Unternehmen engagiert. Sie sind immer ganzheitliche Persönlichkeiten.
Sebastian Haak
Sebastian Haak
Freier Journalist

Einen guten Ausbilder zeichnet natürlich seine Fachkompetenz aus. Die zeigt sich bei Tony Beran unter anderem darin, dass man sofort eine Antwort bekommt, wenn man ihn ganz unvermittelt fragt, was eigentlich Crimpstellen sind. Die Stellen also, wo die Kabel eines Kabelbaums mit jenen Metallteilen verbunden werden, die es dann ermöglichen, diese Kabel an andere elektrische Bauteile anzuschließen. An dem Kabelbaum, der im Foyer von Berans Arbeitgeber – Rennsteig Werkzeuge im thüringischen Viernau – ausgestellt ist, kann Beran das aus dem Stehgreif erklären. Dieser Kabelbaum hat 1.374 Crimpstellen, wie das Schild darunter verkündet.

Im modernen Ausbildungsalltag ist da allerdings noch mehr, was einen guten Ausbilder ausmacht. Viel mehr. „Ein guter Ausbilder nimmt in seiner Aufgabe verschiedene Rollen ein“, sagt Anja Boller, die Abteilungsleiterin Aus- und Weiterbildung bei der IHK Südthüringen. Aus ihrer Sicht ist er unter anderem ein Manager, der seine Azubis führt, fordert, fördert und „auch die Rahmenbedingungen für eine gute Ausbildung schafft und sichert.“ Er ist Coach. Motivator. Und Vorbild.

Dass Beran all das verkörpert, davon ist Boller überzeugt – besonders auch, weil der 31-Jährige vieles von dem lebt, was in Lehrbüchern oft eher abstrakt formuliert wird. Wie etwa die Forderung, dass ein guter Ausbilder Fehler seiner Lehrlinge als Chancen begreifen soll. So ist Beran zum Beispiel überzeugt davon, dass es nichts bringt, seinen Auszubildenden einen Weg vorzugeben, wie sie ein Werkstück zu bearbeiten haben. „Wenn ich weiß, dass kein Personen- oder Maschinenschaden entstehen kann, dann sage ich oft: ‚Probier’s einfach aus!‘“ Jeder Handgriff hätte Vor- und Nachteile, sagt Beran. „Hinterher reden wir dann drüber.“

„Was ich selbst nicht bin, das kann ich ja auch von einem anderen nicht erwarten.“

Tony Beran, Ausbilder bei Rennsteig Werkzeuge

Jenseits dessen vermittelt Beran den jungen Menschen um ihn herum aber auch viele Dinge, die ihnen nicht nur in ihrem beruflichen Alltag, sondern ihr ganzes Leben lang helfen werden. Wertschätzung gegenüber ihrem Werkzeug und anderen Menschen, etwa. Ordnung und Sauberkeit. Oder den Wert von Pünktlichkeit.

Konkret: Obwohl er mit Gleitzeit arbeiten kann, ist Beran jeden Morgen noch vor seinen Lehrlingen im Unternehmen. Für die Lehrlinge beginnt der Arbeitstag in der Regel um 06:45 Uhr.

Was klingt wie eine Petitesse, macht auf die jungen Menschen tatsächlich Eindruck. Auf die Frage, was ihm an seinem Ausbilder besonders auffällt, sagt Robin Kaufmann nicht zufällig: „Ich hab‘ Herrn Beran in meiner Ausbildungszeit nicht einmal unpünktlich erlebt.“ Der angehende Werkzeugmechaniker hat gerade sein drittes Lehrjahr begonnen.

Es fügt sich vor diesem Hintergrund zu einem Gesamtbild zusammen, dass Beran auch außerhalb seines Berufs Verantwortung übernimmt. In seinem Heimatdorf ist er im Fußballverein aktiv. Im Schützenverein. Und sogar im Vorstand des Kirmesvereins, den er als den „höchsten, heiligsten Verein“ im Ort beschreibt. Dabei, erzählt Beran, sei er in dem Dorf ein Zugezogener. Früher sei es undenkbar gewesen, dass so jemand in den Vorstand ausgerechnet dieses Vereins aufrücke.

„Ein guter Ausbilder nimmt in seiner Aufgabe verschiedene Rollen ein.“

Anja Boller, IHK Südthüringen

Von der Begeisterung für seine Ehrenämter gibt es bei Beran eine direkte Linie zu seiner Begeisterung für seinen Beruf als Ausbilder, bei dem es eben darum geht, Fachwissen ebenso wie Soft Skills an andere weiterzugeben. Bei den Ehrenämtern sei es wie im Job, sagt Beran. Erfolgreich sei da, wer ein Vorbild ist. „Denn was ich selbst nicht bin, das kann ich ja auch von einem anderen nicht erwarten“, sagt Beran.

Verschiedene Kompetenzen

Die IHK Frankfurt am Main hat niedergeschrieben, was gute Ausbilder ausmacht: persönliche, soziale und pädagogische Kompetenzen.

Zu den persönlichen Kompetenzen guter Ausbilder gehört, dass sie

  • Vorbild sind
  • zuhören
  • mit regionalen Partnern in der Berufsbildungslandschaft gut vernetzt sind

Zu den sozialen Kompetenzen guter Ausbilder gehört, dass sie

  • geduldig sind und Einfühlungsvermögen besitzen
  • klar und eindeutig kommunizieren
  • Kritik vertragen

Zu den pädagogischen Kompetenzen guter Ausbilder gehört, dass sie

  • sich als Lernbegleiter und nicht als Unterweiser verstehen
  • Fehler von Auszubildenden als Chance verstehen
  • eigenverantwortliches Handeln fördern

Die komplette Erklärung der IHK Frankfurt am Main zu guten Ausbildern findet sich hier:

www.frankfurt-main.ihk.de/imperia/md/content/pdf/berufsbildung/ausbildung/ausbilderprofil.pdf

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