„Es wäre schade, die Zeit zu verschenken“

Zeit ist ein kostbares Gut. Daher sollte gerade beim Azubi-Speed-Dating diese Ressource möglichst effizient genutzt werden @freepik
Ein Format, bei dem sonst Singles auf Partnersuche auf die große Liebe hoffen, ist inzwischen auch auf immer mehr Ausbildungsmessen zu finden: Speed-Dating. Doch wie präsentiert man sich dort am besten, um zukünftige Azubis zu finden? Rhetoriktrainerin Elisa Franz gibt im Interview wichtige Tipps.
Agnes Mayer
Agnes Mayer
Freelancerin © Klaus Satzinger-Viel
Elisa Franz
Zur Person. In ihrer Dissertation untersuchte die promovierte Sprachwissenschaftlerin Elisa Franz, wie Menschen beim Speed-Dating kommunizieren. Anschließend arbeitete sie an der Universität Münster als Gründungscoach und Projektmanagerin im dortigen Innovationslabor. Heute gibt die zertifizierte Rhetoriktrainerin ihr Wissen in Coachings, Workshops und Seminaren an andere weiter und gibt in Interviews für Radio und TV Kommunikationstipps. © Sylwia Marschalkowski

Frau Franz, worin liegt beim Job-Speed-Dating der Vorteil des kurzen Kennenlernens zwischen Unternehmen und potenziellen Azubis?

Elisa Franz: Das ist vor allem der Faktor Zeit. Man kann sich in wenigen Minuten beschnuppern und sitzt nicht eine Stunde zusammen, obwohl man eigentlich relativ schnell merkt, dass es menschlich nicht passt. Gerade bei Job-Speeddatings ist oft eine bunte Mischung vertreten, und es besteht die Chance, dass man selbst aus der eigenen Komfortzone herauskommt, über einen nicht ganz passenden Lebenslauf hinwegsieht und Menschen kennenlernt, mit denen man gar nicht gerechnet hätte.

Dabei hat man häufig nur einen kurzen Moment Zeit, um ins Gespräch zu kommen. Wie gelingt der Einstieg?

Im Gegensatz zu einem formellen Vorstellungsgespräch, bei dem es schnell in die Tiefe geht, rate ich dazu, ein ganz lockeres Gespräch zu beginnen. Natürlich kann man sich die eine oder andere Frage und Antwort zurechtlegen. Aber man sollte sich nicht darauf versteifen.

Bei solchen Veranstaltungen informieren sich vor allem junge Menschen, die oft eine ganz eigene Sprache sprechen. Welche Ansprache ist für sie angemessen?

Sich bloß nicht verstellen! Wenn man im Unternehmen eine andere Sprache spricht, dann sollte man nicht versuchen, wie die junge Generation zu reden und deren Begriffe zu gebrauchen. Lieber authentisch bleiben und die eigenen Worte wählen.

Worauf gilt es noch zu achten?

Die Stimme hat eine sehr große Auswirkung darauf, wie man rüberkommt – noch mehr als die Körpersprache. Je mehr Bewegungen man macht, desto dynamischer wirkt man – je weniger man sich bewegt, desto konservativer tritt man auf. Wenn man souverän auftritt, aber die Stimme etwas zittert, fällt das in der Wahrnehmung stärker ins Gewicht. Deshalb sollte man sich in der Situation wohlfühlen, also bequem sitzen oder entspannt stehen. Denn verkrampft der Körper, überschlägt sich schnell die Stimme.

Gibt es auch bestimmte No-Gos?

Es wäre schade, die Zeit zu verschenken. Das heißt, den anderen auszufragen, ohne selbst etwas von sich zu erzählen. Oder das andere Extrem: zu monologisieren und gar nicht auf das Gegenüber einzugehen. Niemand möchte in so einem Gespräch mit Informationen zugeschüttet werden, ohne dass ernsthaft interessierte Rückfragen gestellt werden. Am besten ist es, dabei die richtige Balance zu finden.

Wie bringt man ein umfassendes Ausbildungsangebot mit wenigen Worten auf den Punkt?

Man darf nicht den Anspruch haben, alles zu präsentieren. Mut zur Lücke! Aus der Forschung wissen wir: Mehr als drei Informationen können sich Menschen sowieso nicht merken. Also nur die Faktoren aufzählen, die wirklich relevant sind und mit denen man sich von anderen Ausbildungsunternehmen unterscheidet. Alles andere ergibt sich im Gespräch oder im Nachhinein, gerade, wenn es zu einem Bewerbungsgespräch kommt.

Wenn ein Gespräch das nächste jagt: Mit welchem Trick bleibt man weiterhin aufmerksam?

Irgendwann ist man überlastet, bringt Namen und Informationen durcheinander. Dann hilft es, immer wieder einen anderen Einstieg zu wählen. So entwickeln sich die Gespräche in eine unterschiedliche Richtung und bleiben mehr in Erinnerung. Dafür eignen sich Positionierungsfragen wie: Pizza- oder Pasta-Typ? Beim Job-Speed-Dating lassen sich solche Fragen auf den beruflichen Kontext übertragen: Obstkorb oder Kaffee? Damit wird das Gespräch lockerer und spielerischer.


Fünf kurze Tipps fürs kurze Kennenlernen:

  • Von Standardfragen abweichen: Wer den üblichen Gesprächsverlauf hinter sich lässt, den man sonst von Bewerbungen kennt, wird Überraschungen erleben und findet vielleicht gerade so die passenden Azubis.
  • Passend anziehen: Unternehmenswerte lassen sich im Gespräch auch über die Wahl der Kleidung transportieren. Der hippe Hoodie steht eher für ein junges Start-up als für ein konservatives Unternehmen.
  • Sich von anderen abheben: Statt das gesamte Ausbildungsangebot in Stichpunkten herunterzurattern, beschränkt man sich im Gespräch am besten auf die Punkte, die einen von anderen Unternehmen unterscheiden.
  • Gesprächspausen nutzen: Zwischen den Gesprächen hilft es, kurz einen Schluck Wasser zu trinken und die Körperhaltung zu verändern. So stellt man sich auf Neues ein und wendet sich aufmerksamer dem nächsten Gesprächspartner zu.
  • Die Sympathie entscheiden lassen: Wenn man merkt, dass es passt, ist man auch eher bereit, die eigenen Kriterien anzupassen – auch wenn das Gegenüber nicht alle Voraussetzungen für eine Stelle mitbringt.

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