Sicherheit für alle: Inklusion im Betrieb ­praktisch umgesetzt

Sicherheit für alle: Inklusion im Betrieb ­praktisch umgesetzt
Ein inklusiver Arbeitsplatz baut Barrieren ab und schafft sichere Ausbildungsbedingungen © freepik
Auszubildende bringen unterschiedliche körperliche und gesundheitliche Voraussetzungen mit. Ein inklusiver Arbeitsschutz sorgt dafür, dass mögliche Einschränkungen – etwa durch Behinderung, chronische Erkrankung oder sprachliche Barrieren – berücksichtigt werden. Nur so lassen sich Unfälle vermeiden und sichere Ausbildungsbedingungen schaffen.
Sylvia Rollmann
Sylvia Rollmann
Freie Journalistin © Karin Maigut

„Inklusiver Arbeitsschutz basiert auf einem ­barrierefreien Arbeitsumfeld“, sagt Jürgen Meß, Leiter des Sachgebiets „Barrierefreie Arbeits­gestaltung“ bei der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). „Unternehmen, die ­Arbeitsplätze an unterschiedliche Bedürfnisse anpassen, ermöglichen allen eine sichere und ­gesunde Teilhabe am Erwerbsleben.“

Dabei gehe es um mehr als rollstuhlgerechte Zugänge oder spezielle Arbeitsmittel. „Es geht um bauliche, kommunikative und organisatorische Maßnahmen, die Barrieren beseitigen und Vor­urteile abbauen“, so der Experte.

Nicht alle Einschränkungen sind sichtbar – etwa bei chronischen oder psychischen Erkrankungen. „Ein vertrauensvolles Klima erleichtert es, über Bedarfe zu sprechen“, erklärt Meß. Schon kleine Veränderungen können viel bewirken. „Für chronisch oder psychisch Kranke kann es zum Beispiel eine Entlastung sein, wenn sie ihre Arbeits- und Pausenzeiten flexibel gestalten oder in einem ruhigen Raum arbeiten können.“

Ein inklusives Arbeitsumfeld kann Unfälle und damit Fehlzeiten reduzieren und so die Produktivität und Zufriedenheit steigern.

Jürgen Meß, Leiter des Sachgebiets „Barrierefreie Arbeitsgestaltung“ bei der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV)

Die richtige Kommunikation sei das A und O, sagt Jürgen Meß, auch bei der Vermittlung von sicherheitsrelevantem Wissen. „Unterweisungen müssen so gestaltet werden, dass alle sie verstehen und umsetzen können – etwa durch leichte Sprache, Visualisierungen oder Gebärdensprache. Berufsanfängern hilft es auch, sicheres Verhalten zu üben.“ Wichtige Hinweise sollten mindestens über zwei Sinne vermittelt werden. „Wer zum Beispiel den Feueralarm nicht hören kann, wird zusätzlich über ein Leuchtsignal gewarnt. Das kann im Ernstfall Leben retten.“

Inklusive Sicherheit als Standortvorteil

Sicherheit und Gesundheit für alle mitzudenken, bedeutet zunächst Mehraufwand, zahlt sich aber aus. „Ein inklusives Arbeitsumfeld kann Unfälle und damit Fehlzeiten reduzieren und so die Produktivität und Zufriedenheit steigern“, sagt Meß. Zudem profitieren auch Beschäftigte, die später eine Beeinträchtigung entwickeln: „Inklusive Arbeitgeber sind attraktiv – für bestehende Teams und neue Bewerber.“

5 Tipps: Inklusion im Betrieb stärken

Arbeitsumfeld: Barrierefreier Arbeitsschutz ­umfasst bauliche Maßnahmen wie Rampen, ­breite ­Türen oder barrierefreie Toiletten ebenso wie ­Leitsysteme sowie angepasste Licht-, Lärm- und ­Klimabedingungen. Mitarbeitende einzubeziehen erhöht die Praxistauglichkeit.

Ausstattung: Höhenverstellbare Möbel, Greif- oder Hebehilfen, Braillezeilen oder Sprachsteuerung können Einschränkungen ausgleichen. Digitale Assistenzsysteme warnen vor Fehlhaltungen, empfehlen Pausen oder übersetzen Sicherheitshinweise.

Kommunikation: Regelmäßige, vorurteilsfreie Gespräche helfen, Lösungen zu finden. Absprachen sollten klar und in einfacher Sprache formuliert sein. Das Zwei-Sinne-Prinzip und visuelle Formate verbessern die Verständlichkeit.

Organisation: Flexible Arbeits- und Pausenzeiten, Homeoffice oder Rückzugsräume entlasten insbesondere chronisch oder psychisch Erkrankte. Führungskräfte sollten geschult sein, Belastungen früh zu erkennen und realistisch einzuschätzen.

Beratung: Hilfe bieten Unfallversicherungsträger, Integrationsämter, die Einheitlichen Ansprechstellen für Arbeitgeber (EAA) sowie die IHKs.

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