„Wer sich wohlfühlt, der ist produktiver“

New Work Rings
Sabine Rings, Geschäftsführerin der „NEU – Gesellschaft für Innovation“, eröffnete im Jahr 2020 das New Work Lab „Zur Goldenen Idee“. Für ihre Arbeit ist die Düsseldorferin u.a. mit dem Innovationspreis IT der Initiative Mittelstand und dem InnoWard, dem Bildungspreis der Deutschen Versicherungswirtschaft, ausgezeichnet worden. © Melanie Zanin
Für Fachkräfte und junge Talente ist bei der Jobwahl nicht immer die beste Bezahlung das entscheidende Kriterium. Weiche Faktoren, fachsprachlich unter „New Work“ zusammengefasst, sind heute mindestens ebenso wichtig. Was sich genau dahinter verbirgt, erklärt Sabine Rings, Expertin für neue Arbeitswelten.
Sylvia Rollmann
Sylvia Rollmann
Freie Journalistin

Frau Rings, New Work ist Ihr Tagesgeschäft. Wie viel davon steckt in Ihrem persönlichen Arbeitsalltag?

Sehr viel. Ich springe täglich ins kalte Wasser und probiere Neues aus, verlasse häufig meine Komfortzone und lerne aus den Erfahrungen. Ich treffe neue Leute, die mich inspirieren. Diese Art zu arbeiten macht mich glücklich.

Wie sehen Arbeitswelten der Zukunft aus?

Die Arbeitsumgebung hat großen Einfluss darauf, wie wir Aufgaben erledigen. Wer sich wohlfühlt, der ist produktiver, innovativer und effizienter. Deshalb gilt es, die Räume so zu gestalten, dass sie zum Einsatzzweck und den Fähigkeiten der Mitarbeitenden passen, den Austausch und die Zusammenarbeit fördern, Wohlfühlatmosphäre und Rückzugsmöglichkeiten bieten. Bei all unseren Überlegungen stellen wir den wichtigsten Baustein eines Unternehmens in den Mittelpunkt: den Menschen, der sich jeden Tag darauf freuen sollte, zur Arbeit zu gehen.

Es geht also um mehr als die richtige Schreibtischanordnung …

Schreibtischkonzepte sind nur die Spitze des Eisbergs. Arbeitswelten sollen Mitarbeitende motivieren, alte Denkmuster zu verlassen, sie kommunikativer, kreativer und offener für Neues machen. Weg vom Silodenken, hin zu mehr Kollaboration. Denn in einer Arbeitswelt mit immer komplexeren Aufgaben braucht es neue Ideen, viel Flexibilität und eine agile, teamorientierte Arbeitsweise. Gängige Bürokonzepte werden dem nicht gerecht.

Was heißt das in der Praxis?

Kernstück unserer Planung ist ein „Marktplatz“ mit Küche, wo sich Mitarbeitende zufällig oder zu Ad-hoc-Meetings treffen. Hinzu kommen Workshop- und Besprechungsräume für die Arbeit in kleinen Gruppen, denn Teamwork braucht familienähnliche Verbundenheit. Und schließlich gibt es Zonen für Rückzug, Erholung und konzentrierte Einzelarbeit. Feste Schreibtischplätze sind im Team-Office die Ausnahme. Dieser Bauplan ist flexibel und wird individuell auf die Bedürfnisse eines Unternehmens zugeschnitten. Die Mitarbeitenden sind am gesamten Prozess aktiv beteiligt.

Ist New Work also nur für Bürojobs relevant und umsetzbar?

Definitiv nicht. New Work zeichnet sich durch bessere Arbeitsbedingungen in flacheren Hierarchien aus. Ziel ist ein besseres Teamgefüge, bedürfnisorientiertes, freies und eigenständiges Arbeiten mit persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten, deshalb kann New Work überall Einzug halten, wo gearbeitet wird.

Was bedeutet das alles für das Verständnis von Führung?

Der Weg hin zu New Work bedingt einen kulturellen Veränderungsprozess – weg vom hierarchischen Denken, von Befehl und Kontrolle, hin zu einer hierarchiearmen Vertrauenskultur mit eigenverantwortlich agierenden Mitarbeitenden. Die Rolle der Führungskräfte ist dementsprechend anders: Die ,Chefs‘ geben eine Richtung vor, sie fördern und ermöglichen.

Haben Unternehmen, die New Work umsetzen, nun bessere Chancen, Fachkräfte oder junge Talente zu finden?

Gerade zu einer Zeit, in der sich Fachkräfte und junge Talente quasi ihren Arbeitsplatz aussuchen können, wird nach den besten Bedingungen ausgewählt – und das heißt nicht immer nach der besten Bezahlung. Entscheidend sind vielmehr Faktoren wie die persönliche Weiterentwicklung, die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf, ein angenehmes und inspirierendes Arbeitsumfeld und ein tolles Team. New Work ist also ein wesentlicher Schlüssel bei der Personalgewinnung. Und wer stolz auf seinen Arbeitsplatz ist, der empfiehlt diesen auch gerne weiter.

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