Kompetente Ausbilder als Aushängeschild

Kompetente Ausbilder als Aushängeschild
© FotografieLink/Getty Images
Wenn Betriebe die Kompetenzentwicklung ihrer Ausbildungsverantwortlichen in den Blick nehmen, geht es nicht nur um die fachliche Weiterbildung. Auch Persönlichkeit und Sozialkompetenz der Ausbilder stehen im Fokus.
Mascha Dinter
Mascha Dinter
Freie Journalistin

Lernbereitschaft, Selbstständigkeit, Zuverlässigkeit – die Kompetenzentwicklung bei Auszubildenden ist ein Thema, das viele Betriebe beschäftigt. Doch wie sieht es eigentlich mit den Kompetenzen ihrer Ausbilder aus? Der Babynahrungshersteller Hipp hat schon vor vielen Jahren ein mehrstufiges Programm zur Qualifizierung seiner Ausbildungsbeauftragten entwickelt, das sie nicht nur dazu befähigen soll, ihren Auszubildenden das nötige Fachwissen zu vermitteln, sondern sie auch dabei unterstützt, ihre eigene Methoden- und Sozialkompetenz weiterzuentwickeln.

„Oft haben die Unternehmen vor allem die Weiterbildung ihrer Ausbilder im fachlichen Bereich auf dem Schirm. Dabei sollte ein Ausbilder in ebenso hohem Maße über persönliche und soziale Kompetenz verfügen. „

Katharina Harris, Referatsleiterin Berufliche Bildung bei den bayerischen IHKs

Das fünfstufige Programm wird von allen Mitarbeitenden durchlaufen, die bei Hipp die Aufgabe eines Ausbilders oder Ausbildungsverantwortlichen übernehmen. In verschiedenen Modulen beschäftigen sie sich unter anderem mit ihrer Rolle als Ausbildungsbeauftragte, dem richtigen Umgang mit Jugendlichen, Gesprächsführung oder dem Lösen von Konflikten in der Ausbildung. Die Bausteine des Qualifizierungsprogramms hat das Unternehmen gemeinsam mit einer externen Trainerin entwickelt, die auch die Seminare leitet.

Andere Sichtweisen begreifen

„Das Rollenverständnis der Ausbilder ist heute ein ganz anderes als vor 15 oder 20 Jahren. Früher war ihr Wunsch nach Kontrolle groß, das hat sich extrem gewandelt. Unser Ansatz lautet: Gebt den Azubis Freiheiten und fordert von ihnen Verantwortung“, sagt Ausbildungsleiter Josef Hönig, der seit 25 Jahren im Personalbereich von Hipp tätig ist. „Das funktioniert sehr gut, denn die heutigen Azubis wünschen sich sinnstiftende Aufgaben, für die sie Wertschätzung erfahren.“ Von 1.350 Mitarbeitenden in der Unternehmenszentrale im bayerischen Pfaffenhofen, die gleichzeitig auch Produktionsstandort ist, sind etwa 60 Azubis und duale Studenten. Das Unternehmen bildet in zwölf verschiedenen Ausbildungs- und Studienrichtungen aus, und zwar ausschließlich für den eigenen Bedarf.

Die Vermittlung beruflicher Handlungskompetenz sieht Hönig dabei als Kernaufgabe der Ausbilder. „Statt in Seminaren lernen unsere Azubis in der Hipp-Juniorfirma, reale, praktische Projekte abzuwickeln. Die Stärkung ihres Selbstbewusstseins durch Übernahme von Verantwortung und auch der richtige Umgang mit eigenen Fehlern stehen im Mittelpunkt. Dabei werden sie von den Ausbildern und Azubibetreuern eng begleitet“, berichtet Hönig. „Denn nur eine enge Begleitung ermöglicht es, jeden Azubi individuell zu fördern und entsprechende Entwicklungsmöglichkeiten aufzuzeigen.“

Einmal im Monat findet ein fachübergreifender Austausch der Ausbilder am Standort Pfaffenhofen statt, einmal pro Quartal auch ein standortübergreifendes Treffen mit den Ausbildern der anderen Niederlassungen. „Es geht darum, sich gegenseitig besser zu verstehen; die Sichtweisen der anderen zu begreifen. Dieser Erfahrungsaustausch ist sehr wichtig für die Motivation des Ausbildungspersonals.“

Nicht immer zählen Ausbilder als Führungskräfte

Eigene Entwicklungsprogramme für Ausbilder wie das des Babynahrungsherstellers sind eher selten. „Dabei ist eine strukturierte Weiterqualifizierung von Ausbildern gerade für mittlere und kleinere Unternehmen sinnvoll“, sagt Dr. Katharina Harris, die als Referatsleiterin Berufliche Bildung für die bayerischen Industrie- und Handelskammern tätig ist. „Oft haben die Unternehmen vor allem die Weiterbildung ihrer Ausbilder im fachlichen Bereich auf dem Schirm. Dabei sollte ein Ausbilder in ebenso hohem Maße über persönliche und soziale Kompetenz verfügen.“ Doch gerade dieser Bereich würde nach wie vor unterschätzt. „Dabei können kompetente Ausbilder und eine gute Ausbildung in der Konkurrenz um Nachwuchskräfte ein wichtiges Aushängeschild sein.“ Dennoch würde nach wie vor mehr in die Qualifizierung der Führungskräfteebene investiert, zu der Ausbilder nicht immer zählen.

„Ein guter Ausbilder schaut immer, wie er noch besser werden kann. Fachlich, aber auch methodisch und didaktisch.“

Josef Hönig, Ausbildungsleiter bei Hipp

Eine der gemeinsamen Initiativen der bayerischen Industrie- und Handelskammern ist die IHK Ausbilderakademie Bayern, die eine dreistufige Zertifizierung von Ausbildern anbietet. Dabei handelt es sich nicht um ein eigenes Weiterbildungsangebot der IHK; viel mehr können Ausbilder hier ihre erworbenen Qualifikationen vom mehrwöchigen Lehrgang bis zum eintägigen Workshop anerkennen lassen. Eine Jury aus Vertretern regionaler Unternehmen vergibt für jede Weiterqualifizierung sogenannte Bildungspunkte. Um Stufe Zwei und Drei zu erreichen, müssen die Ausbilder nicht nur eine bestimmte Punktzahl vorweisen, sondern auch eine Projektarbeit zu einem betrieblichen Ausbildungsthema ihrer Wahl verfassen. Hipp nutzt diese Form der Zertifizierung seit 2009.

Anreiz und Struktur für Weiterbildung bieten

„Die Zertifikate sollen das Engagement der Ausbilder sichtbar machen. Wir wollen damit Anreiz und Struktur für die kontinuierliche Weiterbildung bieten. Denn ein guter Ausbilder schaut immer, wie er noch besser werden kann. Fachlich, aber auch methodisch und didaktisch“, sagt Harris. Bei Bedarf verweist die Akademie auf passende Weiterbildungs- und Netzwerkangebote. Am häufigsten nachgefragt seien Qualifizierungsmaßnahmen im Bereich Sozialkompetenz und Umgang mit Auszubildenden. „Hier ist die Lücke nach wie vor am größten. Dabei ist das Angebot an entsprechenden Weiterbildungen da.“ Bei der Suche nach passenden Maßnahmen helfen neben Weiterbildungsverzeichnissen im Internet auch die Bildungsberater der regionalen IHKs.
www.ihk.de

Ausbilder fit machen

Weiterbildungsangebote nutzen. Bei der Suche nach passenden Weiterbildungen helfen u.a. die örtlichen IHKs weiter.

Soziale und persönliche Kompetenzen in den Blick nehmen. Ob Präsentationstraining, Umgang mit Jugendlichen oder das Führen von Feedbackgesprächen – bei der Kompetenzentwicklung der Ausbilder sollte nicht nur die fachliche Weiterqualifizierung im Fokus stehen.

An Zertifizierungsprogrammen teilnehmen. Von einer Zertifizierung profitieren nicht nur die Ausbilder, sondern auch die Unternehmen, wenn es zum Beispiel darum geht, Nachwuchs zu werben.

Ausbilder vernetzen. Ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch der Ausbilder innerhalb eines Unternehmens, aber auch darüber hinaus kann viele wertvolle Impulse für den Ausbildungsalltag liefern.

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