Ein Brasilianer im thüringischen Kölleda

Ein Brasilianer im thüringischen Kölleda
Über den großen Teich nach Thüringen: Der aus Brasilien stammende Vladimir Gaal (links) ist der erste vermittelte Bewerber für die Projektregion Mitteldeutschland von „Hand in Hand for International Talents“. Daneben: Personalchefin Manuela Zühlsdorff und ihr Mann Ralph Zühlsdorff, Geschäftsführer von Logatec © Michael Reichel
Mehrere Partner setzen sich dafür ein, dass Unternehmen Fachkräfte aus drei nicht-europäischen Ländern gewinnen. Erste Erfolge gibt es schon. Hinter dem Vorhaben steht auch ein ganz grundlegendes Ziel.
Sebastian Haak
Sebastian Haak
Freier Journalist

Vladimir Gaal steht heute an seinem Arbeitsplatz und repariert unter anderem Fernseher, Staubsauger, Handys und Kameras. Somit kann Manuela Zühlsdorff zu Recht behaupten, in den vergangenen Monaten alles richtig gemacht zu haben. Zum Wohle des Unternehmens, das Logatec heißt, im thüringischen Kölleda seinen Sitz hat und bei dem sie als Leiterin Controlling und Personal arbeitet. Und zum Wohle Gaals, der als Student vor einigen Jahren schon einmal in Deutschland gelebt hatte und einen Plan verfolgt. „In zwei Jahren soll meine Frau auch nach Deutschland kommen“, sagt der 32-Jährige, der aus Brasilien stammt. Manuela Zühlsdorff hält das für realistisch. Gaal habe sich sehr gut in der Firma und in Deutschland integriert, sagt sie. Er erfülle alle Anforderungen genau so, wie man sich das von ihm versprochen habe.

Kennenlernen per Videokonferenz

Seit April 2022 ist Gaal nun in Deutschland und bei Logatec beschäftigt – als erster vermittelter Bewerber für die Projektregion Mitteldeutschland von „Hand in Hand for International Talents“. Mehrere Partner sind an diesem Pilotprojekt beteiligt, darunter die Bundesagentur für Arbeit. Durchgeführt wird es von der Servicegesellschaft des DIHK, gefördert aus Mitteln des Bundeswirtschaftsministeriums. Unmittelbares Ziel ist es, Fachkräfte aus den Nicht-EU-Ländern Brasilien, Indien und Vietnam nach Deutschland zu holen.

Eine Social-Media-Anzeige hatte Gaal auf das Projekt aufmerksam gemacht. „Nach einer ersten Videokonferenz waren wir uns im Grunde schon einig“, sagt Manuela Zühlsdorff. Diese Videokonferenz war so etwas wie das klassische Vorstellungsgespräch, bei dem Gaal und die Unternehmenslenker sich kennenlernten und abglichen, ob ihre jeweiligen Vorstellungen zueinander passten. Nur die monatelange Bearbeitung des Visums habe verhindert, dass der junge Mann nicht noch schneller zu den Fernsehern, Staubsaugern, Handys und Kameras stieß.

Hürden überwinden

Über „Hand in Hand“ sind nach Angaben einer der Leiterinnen des Projektes, Anine Linder, bislang 24 Fachkräfte nach Deutschland gekommen. Das seien in absoluten Zahlen zwar weniger Menschen als am Beginn des Projektes erwartet worden waren. Der Grund sei vor allem die Corona-Pandemie. Doch ohnehin gehe es bei diesem Projekt, das in fünf Pilotregionen ausgerollt worden ist, eher um qualitative Erfahrungen mit der Anwerbung von Fachkräften aus dem Nicht-EU-Ausland als um Quantität. Denn bis heute täten sich vor allem klein- und mittelständische Unternehmen noch schwer damit, Mitarbeiter aus dem Ausland einzustellen. Manchmal, weil es gefühlte Hürden dafür gibt. Manchmal, weil die Hürden ganz real sind, wie die anfangs schleppenden Bearbeitung des Visums von Vladimir Gaal zeigte.


Fachkräfte-Projekte der IHK-Organisation

Die IHK-Organisation setzt sich dafür ein, dass der deutschen Wirtschaft auch in Zukunft die qualifizierten Mitarbeiter nicht ausgehen.

Das Pilotprojekt „Hand in Hand for International Talents“ (siehe Artikel)…

… erprobt tragfähige Strukturen für die Fachkräfteeinwanderung aus Drittstaaten. Dabei werden qualifizierte Fachkräfte mit Berufsausbildung in Brasilien, Indien und Vietnam rekrutiert; Partnerregionen in Deutschland sind die IHK-Bezirke Erfurt, Düsseldorf, Lübeck, Reutlingen und Rostock. Der Fokus liegt derzeit auf insgesamt zehn Berufen unter anderem aus dem Bereichen: Elektronik und Elektrotechnik, Informatik und Gastgewerbe.
www.dihk-service-gmbh.de/de/unsere-projekte/fachkraefte-standortsicherung

Das Projekt „ProRecognition“…

… befasst sich mit der passgenauen Beratung von internationalen Zuwanderungsinteressierten zu den Chancen ihrer beruflichen Anerkennung noch im Heimatland. An zehn AHK-Standorten baut die DIHK Service GmbH Anlauf- und Beratungsstellen auf, um ausländische Fachkräfte auf ihrem Weg in den deutschen Arbeitsmarkt genau dabei zu unterstützen.
www.dihk-service-gmbh.de/de/prorecognition-28680

Das Projekt „Unternehmen Berufsanerkennung“…

… vermittelt Unternehmen die Bedeutung der Berufsanerkennung für die Fachkräftesicherung, insbesondere auch vor dem Hintergrund des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes. Interessierte erhalten Informationen und Hilfestellung rund um die Beschäftigung von Fachkräften mit ausländischen Berufsabschlüssen.
www.unternehmen-berufsanerkennung.de

Erster Ansprechpartner zum Thema Fachräftesicherung sind die IHKs vor Ort.
www.ihk.de

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