Nie ausgelernt: Gute Ausbilder lernen mit

Mark Prevoteau
Mark Prévoteau, seit 2020 als Trainer, Moderator und Berater für Unternehmen tätig, empfiehlt eine gesunde Neugier und Offenheit ­gegenüber neuen Medien und Tools. © Lena Siebrasse
Früher war klar: Azubis lernen, Ausbildende lehren. Heute ist Lernen ein gemeinsamer Prozess. Die Digitalisierung macht Ausbilderinnen und Ausbilder selbst zu Lernenden – oft zusammen mit und inspiriert von ihren Azubis.
Sabine Biskup
Sabine Biskup
© UNIVERSUM Verlag GmbH / Lukas Görlach

Lebenslanges Lernen gilt als eine zentrale Fähigkeit, um langfristig erfolgreich zu sein – beruflich wie privat. Denn jede Veränderung erfordert Anpassung und Weiterentwicklung. Traditionell gilt: Azubis ­sollen lernen, ­Ausbilderinnen und Ausbilder geben Wissen weiter. Doch ­dieses Rollenbild ändert sich. Die Digitalisierung prägt Arbeits-, Kommunikations- und Lernprozesse – und die jungen ­Leute bringen eigene Erwartungen mit.

Für die Generation Z – also die Geburtsjahrgänge von etwa 1995 bis 2010 – sind KI, Apps und digitale Netzwerke selbstverständlich. Sie ist an schnelle Kommunikation, intensiven Austausch und regelmäßiges Feedback gewöhnt – und erwartet das auch in der Ausbildung. Für Ausbilder entstehen dadurch Herausforderungen. Das beobachtet auch der langjährige Trainer und Moderator für Unternehmen, Mark Prévoteau. Er empfiehlt: „Wichtig ist eine gesunde Neugier und Offenheit gegenüber neuen Medien und Tools. Die Gen Z und Alpha nutzen KI rauf und runter, dadurch fordern sie die Ausbilderinnen und Ausbilder von heute heraus.“

Sabine Bleumortier
Sabine Bleumortier unterstützt seit rund 18 Jahren als Beraterin und Trainerin Unternehmen bei der Ausbilderentwicklung © Elisabeth Pfahler-Scharf

Lernbereitschaft ist für Ausbilderinnen und Ausbilder heute unverzichtbar – nicht nur, um digitale Entwicklungen mitzugehen, sondern um sie aktiv zu gestalten. Wer selbst nicht lernbereit ist, wirkt kaum glaubwürdig.

Sabine Bleumortier

KI-Tools verändern nicht nur, wie wir lernen, sondern auch, welche Fähigkeiten Azubis brauchen. Kritisches Prüfen, Einordnen und kreatives Anwenden von Inhalten wird immer wichtiger. Ausbilderinnen und Ausbilder sind heute mehr Lernbegleiter und Reflexionspartner als reine Wissensvermittler. Sie sollten Azubis darin unterstützen, KI kritisch zu hinterfragen – etwa bezüglich Datenqualität, seriösen Quellen oder möglichen Verzerrungen. Deshalb sind Fortbildungen zu digitaler Didaktik und KI-Grundlagen zentral: Wie funktionieren KI-Systeme? Welche Chancen und Grenzen gibt es? Wie lassen sich Lernprozesse mit KI individualisieren und didaktisch sinnvoll gestalten? Sabine Bleumortier, seit rund 18 Jahren als Beraterin und Trainerin in der Ausbilderqualifizierung tätig, betont: „Digitale Tools, Lernplattformen oder KI-basierte Lernmaterialien ermöglichen ein flexibles und individualisiertes Lernen. Entscheidend ist jedoch: Ausbildende müssen wissen, wie die Tools sinnvoll angewendet werden.“

Offener Austausch als Schlüssel zum Lernerfolg

Lernbereitschaft ist aber nicht nur beim Thema Digitalisierung und in Weiterbildungen gefragt, sondern auch im Umgang mit Azubis. Entscheidend ist ein offener Austausch: Gespräche in der Gruppe oder unter vier Augen, regelmäßiges Feedback und gemeinsame Lernformate schaffen Nähe und Vertrauen. So entsteht eine Beziehung auf Augenhöhe – die Basis für effektives Lernen.

Auch Ausbilder profitieren: Sie lernen ihre Azubis besser kennen und schärfen ihre Fähigkeiten in Kommunikation, Gesprächsführung und Teamleitung. Zuhören, Feedback geben und Kritik annehmen gehören dazu. Diese Haltung schafft eine Atmosphäre, in der Azubis sich gehört fühlen und aktiv mitgestalten. Das steigert die Motivation und macht die Ausbildung für beide Seiten erfolgreicher und angenehmer.

Lernen in Zeiten von KI – was Ausbilder wissen sollten

Künstliche Intelligenz verändert, wie wir lernen und uns informieren. Für Ausbilderinnen und Ausbilder bedeutet das, neue Kompetenzen zu entwickeln – von technologischem Grundverständnis bis zu didaktischen Methoden. Auf folgendes Wissen kommt es jetzt an, um KI sinnvoll und gewinnbringend in der Ausbildung einzusetzen und Azubis in der Anwendung zu schulen:

  • Weiterbildung zu KI-Grundlagen: Wie KI funktioniert, wie sie didaktisch eingesetzt werden kann und wie Medienkompetenz im Umgang mit digitalen Tools gestärkt wird
  • Rolle im Wandel: Eine neue Rolle einnehmen – vom Wissensvermittler zum Lern- und Gesprächspartner
  • KI als Lernhelfer: Chancen und Grenzen von KI kennenlernen und vermitteln
  • Kritisches Denken fördern: Azubis zeigen, wie sie KI-Ergebnisse prüfen und hinterfragen
  • Ethische Kompetenz: Verantwortung schärfen zu Themen wie Datenschutz und Verzerrungen in KI-Systemen
  • Didaktische Integration: Methoden entwickeln, um KI-Tools gezielt und lernzielorientiert einzusetzen
  • Kooperation fördern: Azubis ermutigen, KI als Lernwerkzeug zu nutzen und gemeinsam Ergebnisse zu diskutieren
  • Chancen ergreifen: Aufzeigen, welche Routinen KI-Tools sinnvoll erleichtern können

Quellen:
Sabine Bleumortier, www.bleumortier.de
Mark Prévoteau, www.markpre.de


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