Der Einsatz lohnt

Christoph Scheffler
Christoph Scheffler von der Schützinger GmbH in Stuttgart schätzt an seinem Prüfer-Ehrenamt unter anderem, dass der Blick für den gelernten Beruf geschärft werde; er bleibe am Puls der Zeit © privat
Herzklopfen, ein letzter Blick in die Unterlagen, ein kurzer Blick auf die Uhr – gleich geht sie los, die Prüfung! Damit alles professionell, fair und mit viel fachlichem Know-how über die Bühne geht, setzen die IHKs auf ehrenamtliche Prüferinnen und Prüfer. Deren Engagement lohnt sich doppelt: Für die Prüflinge und für sie selbst.
Susanne Hartmann
Susanne Hartmann
© privat

„Es ist immer wieder schön, die Freude der Azubis zu sehen, wenn sie erfahren, dass sie ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben“, sagt der ehrenamtliche Prüfer und Privatkundenbetreuer Bastian Fritz von der Volksbank Stuttgart eG. Für die berufliche Ausbildung und auch für die Fortbildung sind ehrenamtliche Prüferinnen und Prüfer unverzichtbar. Neben der Freude über erfolgreiche Prüfungen gibt es viele weitere Gründe, warum sich das Ehrenamt lohnt. Die Begleitung durch die jeweilige regionale IHK ist eng, und das Ehrenamt eröffnet neue Einblicke, Kontakte und Lernchancen. Zugleich bleibt das gute Gefühl, etwas für die Fachkräfte von morgen zu tun.

Es ist immer wieder schön,die Freude der Azubis zu sehen, wenn sie erfahren, dass sie ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben.

Bastian Fritz, Volksbank Stuttgart eG

Prüfen mit Herz und Haltung

Ein wichtiger Bestandteil des Ehrenamts ist der persönliche Umgang mit den Prüflingen. „Ich möchte die Azubis in dieser besonderen Situation unterstützen und ihnen den Raum geben, ihr Potenzial in einem wertschätzenden Umfeld zu entfalten“, sagt die Prüferin Ljubica Hupfeld, Sachbearbeiterin Haftpflichtschaden und stellvertretende Teamleitung bei der Axa Konzern AG. Sie prüft mit Begeisterung Kaufleute für Versicherungen und Finanzanlagen. „Vor der mündlichen Abschlussprüfung haben viele großen Respekt – da möchte ich mit einem freundlichen Wort, einem offenen Ohr und einem Lächeln ein wenig die Anspannung nehmen. Außerdem ist das Ehrenamt für mich eine willkommene Abwechslung zum Arbeitsalltag und eine schöne Gelegenheit, mich persönlich einzubringen.“

Vor der mündlichen Abschlussprüfung haben viele großen Respekt – da möchte ich mit einem freundlichen Wort, einem offenen Ohr und einem Lächeln ein wenig die Anspannung nehmen.

Ljubica Hupfeld, Axa Konzern AG

Auch bei Christoph Scheffler ist die Leidenschaft für sein Ehrenamt in jedem Wort zu spüren. Der Projektmanager im Marketing bei der Schützinger GmbH in Stuttgart zählt auf: Der Blick für den gelernten Beruf werde geschärft, er bleibe am Puls der Zeit, was Berufsbilder und Marktbedürfnisse angehe, und er könne die Aufregung der eigenen Azubis im Vorfeld ein wenig mindern. Auch der Zusammenhalt unter den Prüfern sei spürbar: „Ich bin immer wieder erstaunt, wie gut die Chemie bei uns allen ist, wenn man sich nur drei Mal im Jahr sieht – und es sich trotzdem anfühlt wie Familie.“

Ein schönes Erlebnis hatte Michael Becker, Akademie-Leiter des Verbandes Druck und Medien Nord-West e. V. in Lünen, der Mediengestalter Digital und Print sowie Industriemeister und Medienfachwirte Digital/Print prüft: „Besonders berührt hat mich, als sich eine Absolventin nach der Prüfung persönlich bei mir bedankt hat. Sie erzählte, dass die wertschätzende Atmosphäre in der Prüfung ihr geholfen hat, ruhig zu bleiben und ihr Bestes zu geben. Solche Rückmeldungen zeigen mir, wie wichtig unsere Rolle als Prüfer ist – nicht nur fachlich, sondern auch zwischenmenschlich.“

In den Prüfungsausschüssen treffe ich Fachleute, Ausbilder und Berufsschullehrer. Der Austausch über Prüfungsinhalte, Branchentrends und didaktische Ansätze ist fachlich enorm bereichernd.

Michael Becker, Verband Druck und Medien Nord-West e. V.

Starker Rückhalt durch die IHKs

Wer selbst eine Ausbildung absolviert hat, erfüllt die erste Voraussetzung für das Ehrenamt. Die IHKs begleiten die potenziellen Prüferinnen und Prüfer bei ihrer neuen Aufgabe. Andrea Bosch, Leiterin der Abteilung Berufliche Bildung und Fachkräfte von der IHK Region Stuttgart, erklärt: „Wir bereiten unsere ehrenamtlichen Prüferinnen und Prüfer mit Einführungsworkshops bestmöglich auf ihre Tätigkeit vor. Zudem bieten wir für alle aktiven Prüferinnen und Prüfer Seminare zur fachlichen Vertiefung an. Zahlreiche Plattformen unterstützen den gemeinsamen fachlichen Austausch.“

Wir bereiten unsere ehrenamtlichen Prüferinnen und Prüfer mit Einführungsworkshops bestmöglich auf ihre Tätigkeit vor und bieten zudem Seminare zur fachlichen Vertiefung an.

Andrea Bosch, IHK Region Stuttgart

Dass die Unterstützung funktioniert, zeigt das Beispiel von Christian Tuschen, Geschäftsführer der PreFab TGA GmbH in Kleve. „Nach der Überprüfung der fachlichen und persönlichen Eignung gab es verschiedene Kennenlern- und Vorbereitungsgespräche“, erklärt er. „Daran anschließend begleitet man erste Prüfungen als Gast und dann als stellvertretendes Mitglied der Prüfungskommission. Die IHK bietet regelmäßige Weiterbildungen und Schulungen an.“

Das Ehrenamt ist eine verantwortungsvolle Aufgabe – und eine, die sich lohnt. Schließlich begleiten die Prüferinnen und Prüfer junge Menschen auf einem entscheidenden Abschnitt ihres Berufswegs. Für Christoph Scheffler stand früh fest, dass er als Ausbilder in Medienberufen auch die andere Seite des Prüfungstischs erleben wollte. Kaum hatte er den Ausbilderschein in der Tasche, bewarb er sich als ehrenamtlicher Prüfer für Mediengestalter Digital und Print. Doch damit nicht genug: „Seit ich den Prüfungsvorsitz in meinen Ausschüssen übernommen habe, kommt noch hinzu, dass ich meine sozialen Fähigkeiten weiter ausbauen darf.“

Verständnis für junge Leute

Ein weiterer wichtiger Aspekt, der für das ehrenamtliche Engagement als Prüferin oder Prüfer spricht, ist der Kontakt zu jungen Menschen. Christian Tuschen sagt, er profitiere in ganzheitlichem Sinn von seinem Ehrenamt: „Der regelmäßige Kontakt und Umgang mit jungen Auszubildenden und jungen Menschen führt dazu, dass man immer wieder gezwungen ist, die Perspektive zu wechseln“, erklärt er. „So entwickelt man mit der Zeit ein besseres Gespür, vielleicht ein wenig mehr Verständnis – und damit auch ein ausgewogeneres Urteilsvermögen im Umgang mit der nächsten Generation.“ Das helfe ihm auch bei seiner eigenen Führungsrolle und dabei, die eigene Rolle besser zu verstehen. Michael Becker sieht noch weitere Vorteile: „Das Ehrenamt bietet wertvolle Möglichkeiten für Netzwerk und Austausch“, sagt er. „In den Prüfungsausschüssen kommen Experten aus Wirtschaft, Bildung und Praxis zusammen. Ich treffe Fachleute, Ausbilder und Berufsschullehrer – der Austausch über Prüfungsinhalte, Branchentrends und didaktische Ansätze ist fachlich enorm bereichernd. Dadurch bleibe ich selbst am Puls der Weiterbildungslandschaft.“

Als ehrenamtlicher Prüfer entwickelt man mit der Zeit ein besseres Gespür und damit auch ein ausgewogeneres Urteilsvermögen im Umgang mit der nächsten Generation.

Christian Tuschen, PreFab TGA GmbH

Für Andrea Bosch ist das Ehrenamt eine Win-win-Situation: „Prüflinge profitieren von einer praxisorientierten, fundierten Prüfung, während Prüferinnen und Prüfer ihre Expertise und ihr Netzwerk erweitern und gleichzeitig zur beruflichen Qualifizierung der nächsten Generation beitragen.“ Teilweise wechseln die Prüflinge später selbst in die Rolle der Prüfenden. So hat es Michael Becker erlebt: „Bei einem Alumni-Treffen der Medienfachwirte und Industriemeister hat mir ein ehemaliger Prüfungsteilnehmer erzählt, dass die faire und respektvolle Prüfung ihn motiviert hat, selbst Prüfer zu werden. Das war ein wirklich bewegender Moment.“

Ich bin immer wieder erstaunt, wie gut die Chemie bei uns Prüferinnen und Prüfern ist, wenn man sich nur drei Mal im Jahr sieht – und es sich trotzdem anfühlt wie Familie.

Christoph Scheffler, Schützinger GmbH

Wer nach diesen positiven Berichten Lust bekommen hat, selbst Prüfungen zu begleiten, kann sich einfach bei seiner IHK melden.

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